ACTiv in der Grafschaft Bentheim: Ein präventives Multiplikatorenprojekt zur Förderung der psychischen Flexibilität und Gesundheit auf Basis der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT)

Ein Projekt der Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim

Ziele und Dialoggruppe

Ziele des Projekts

  • Verbesserung des eigenverantwortlichen Umganges von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit schwierigen seelischen Anforderungen, d.h. die Förderung von Resilienz- und Selbsthilfefaktoren
  • Förderung eines selbstbewussteren und gelasseneren Umgangs mit psychischen Leidenszuständen und der Selbstsicherheit, mit psychischen Problematiken auch eigenverantwortlich umzugehen
  • Unvermeidbares Leid akzeptieren lernen
  • Förderung von flexiblen und individuellen Lösungen im Umgang mit problematischen seelischen Situationen und somit eine offene, präsente und wertschätzende Grundhaltung

Dialoggruppe

  • Lehrer*innen der 12. Klassen der BBSGS in Nordhorn
  • Schüler*innen der 12. Klassen der BBSGS in Nordhorn

Maßnahmen und Auswirkungen

Ausgangslage

An den Schulen im Landkreis Grafschaft Bentheim sind vermehrt psychische Schwierigkeiten und eine zunehmend eingeschränkte Problemlösungskompetenz sichtbar. So stellt das Beratungsteam der Berufsbildenden Schulen Gesundheit und Soziales (BBSGS) bei ihren Schüler*innen (ca. 16. bis 21. Lebensjahr) mit und ohne Hauptschulabschluss z. B. eine Häufung von Fehlzeiten sowie ein vermehrtes Abmelden vom Unterricht aufgrund banaler Befindlichkeitsstörungen fest. Auffällig sind zudem Konzentrationsschwierigkeiten mit der Folge eines stetigen Leistungsabfalls. Beobachtet werden sowohl der Rückzug aus der Klassengemeinschaft als auch zunehmende Unterrichtsstörungen. Festgestellt wird weiterhin die Tendenz, Verantwortung an andere Personen abzugeben. Ähnliche Auffälligkeiten finden sich auch bei Realschüler*innen.

Vorgehen im Projekt

Zur Einführung des ACT-Gedankens und der damit verbundenen hilfreichen Grundhaltung in der Grafschaft Bentheim bedarf es zunächst der Einstellung und Fortbildung eine*r ACT-Trainer*in (Psycholog*in, psychologische*r Psychotherapeut*in), die/der die Planung und Einführung von ACTiv an den BBSGS konkretisiert und umsetzt. In einem ACT-Workshop wird der theoretische Hintergrund und die Grundhaltung des Akzeptanz- und Commitmenttrainings den beteiligten Lehrer*innen vermittelt. In Kooperation von ACT-Trainer*in und den Lehrer*innen werden dann die Inhalte des Trainings den Schüler*innen der Klasse 12 theoretisch und mit Hilfe von Übungen und Metaphern praktisch vermittelt. Die Trainingsinhalte werden dabei in insgesamt 86 Unterrichtsstunden (á 45 Minuten) im ersten Schulhalbjahr 2017/2018 theoretisch und praktisch vermittelt, von den Schüler*innen erarbeitet und durch wiederholte Übungen gefestigt. Wichtig ist dabei die kontinuierliche Supervision durch die/den psychologischen ACT-Trainer*in. Die Multiplikatoren-Schüler*innen verbreiteten den Ansatz und die Haltung von ACTiv im zweiten Schulhalbjahr an die Schüler*innen der jüngeren Jahrgänge (Jahrgangsstufe 11), die dann wiederum im Schuljahr 2018/2019 als neue Multiplikator*innen geschult und eingesetzt werden können. Diese Schüler*innen zeigen somit schon ein besseres Grundverständnis für die Inhalte von ACTiv, sodass das Projekt sich selbstverstärkend weiterentwickeln kann. 

Auswirkungen

Für die Grafschaft Bentheim wird, bedingt durch die Anbindung des Projektes an die Berufsbildenden Schule(n) und die Ausrichtung auf die (primäre) Zielgruppe (Schüler*innen und Jugendliche), eine Verbesserung der individuellen psychischen Gesundheit erwartet. Erreicht werden soll bei den Schüler*innen im Einzelnen:

  • eine Verbesserung des Umganges mit aktuellen schmerzlichen Situationen und seelischen Leidenszuständen,
  • die Verbesserung der Flexibilität im Umgang mit vergangenen leidvollen Erfahrungen mit dem Ergebnis der Stärkung der Individualität,
  • eine Zunahme des engagierten Handelns auf der Grundlage eigener Werte,
  • die Verbesserung der Lebenszufriedenheit
  • eine Reduktion dysfunktionalen Verhaltens (z. B. Suchtmittelgebrauch, Selbstschädigung, Aggressivität, Suizidalität, sozialer Rückzug und Vereinsamung).

Eine Umfrage nach Projektende unter den Teilnehmer*innen bestätigt dies. Zugleich fördert das Projekt die Problemwahrnehmung in der Öffentlichkeit. Dies kann weitere sinnvolle Projekte und Vorhaben anstoßen.

Laufzeit und Finanzierung

Laufzeit

Startdatum: 01.04.2017

Enddatum: 31.03.2019

Finanzierungsvolumen

106.000 €

 

Träger und beteiligte Akteure

Träger

Euregio-Klinik Nordhorn

Weitere beteiligte Akteure

Berufsbildende Schulen Gesundheit und Soziales

Ansprechpersonen

Dr. Annegret Hölscher

Landkreis Grafschaft Bentheim


Am Bölt 27
48527 Nordhorn

Tel.: 05921 961867


E-Mail: annegret.hoelscher@grafschaft.de

Die Angaben zu den Projekten entstammen Mitteilungen aus den beteiligten Gesundheitsregionen.


Datum der letzten Bearbeitung: 20.03.2023


Share by: