Grafschafter Babylotsen - Frühe Hilfen für Eltern

Ein Projekt der Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim

Ziele und Dialoggruppe

Ziele des Projekts

  • Frühzeitiger und systematischer Kontakt zu Familien mit hohen psychosozialen Belastungen
  • Schaffung eines Früherkennungssystems
  • Schaffung von Vernetzungen in ein geeignetes Hilfesystem und Klärung eines eventuellen Unterstützungsbedarfs sowie Planung eventueller weiterer Unterstützungsmöglichkeiten
  • Realisierung einer Frühprävention, d. h. ein systematisches, frühzeitiges, nicht stigmatisierendes, umfassendes und verlässliches Wahrnehmen von psychosozialen Bedarfen
  • Förderung einer gesunden Kindesentwicklung und Vermeidung von kindlichen Entwicklungsstörungen

Dialoggruppe

  • Familien mit Migrationshintergrund und geringen Deutschkenntnissen, die den Weg in die Regelsysteme Deutschlands nur schwer oder gar nicht finden, z. B. Flüchtlinge aus der Flüchtlingswelle 2015 und 2016, Bürgerkriegsflüchtlinge und Migrant*innen aus neuen EU-Beitrittsländern
  • Familien, in denen bei den Eltern Sucht oder psychische Erkrankungen eine Rolle spielen
  • Familien, die ein Kind mit besonderem Pflegebedarf aufgrund von Krankheit oder Behinderung bekommen sowie alleinstehende, sehr junge Mütter

Maßnahmen und Auswirkungen

Ausgangslage

Der Landkreis Grafschaft Bentheim verzeichnet jährlich ca. 1.000 Geburten. Im Jugendamt ist in den vergangenen Jahren ein Anstieg des Bedarfs an Unterstützung von Familien feststellbar. So hat sich im Rahmen der „Frühen Hilfen“ des Jugendamtes die Zahl der Familien, die eine Familienhebamme zur Seite gestellt bekommen, von 32 im Jahre 2009 auf 77 im Jahre 2019 erhöht. Einen hohen Anteil nehmen Familien aus unterschiedlichen Herkunftsländern ein (2009: 3; 2019: 29), was auch auf den verstärkten Zuzug in den vergangenen Jahren zurückzuführen ist. In der Pädiatrie der Euregio-Klinik werden sämtliche Patient*innen im Rahmen eines Assessments auf besondere Belastungen hin überprüft. Dadurch wird der Bedarf in Bezug auf bereits vor Aufnahme bestehende Grunderkrankungen, erhöhten Pflegebedarf und psychosoziale Belastungssituationen deutlich.

Vorgehen im Projekt

Babylots*innen nehmen frühzeitig und systematisch Kontakt zu Familien mit hohen psychosozialen Belastungen auf.

Ihre Aufgabe ist es, notwendige Leistungen zu klären und zu koordinieren. Darüber hinaus sollen sie die Familien motivieren, Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen. Im Sinne des Case Managements werden bei den Grafschafter Babylots*innen Aufgaben und Leistungen des Gesundheitssystems, der Sozialhilfe sowie der Jugendhilfe zusammengeführt. Dadurch werden unklare Strukturen und Dopplungen im Hilfesystem vermieden. Gleichzeitig werden unnötige Kosten und eine Verunsicherung der Familien vermieden. Die Unterstützung der Babylots*innen für Familien wird in der hochsensiblen und gleichzeitig hochriskanten Lebensphasen der Geburt geleistet. Sie helfen bei der Bewältigung von Alltagsproblemen sowie bei Erziehungsaufgaben. In Konflikten und Krisen stehen sie den betroffenen Familien zur Seite. Die Hilfe trägt aktiv zur Stabilisierung der Familien und des Kindeswohls bei. Babylots*innen leiten Familien mit Bedarfen an passgenaue Angebote aus den Frühen Hilfen und anderen sozialen Sicherungssystemen weiter. Die Arbeit der Babylotsen ist als Ergänzung bestehender Angebote zu verstehen und ersetzt nicht die Aufgaben und Funktionen bestehender Berufsgruppen und Dienste (u. a. Hebammen, Angebote der Frühen Hilfen, Kliniksozialdienste).

Auswirkungen

Durch das Projekt zeigten sich zahlreiche positive Effekte:

  • Hoher Informationsstand bei werdenden Müttern: Sie sind gut über mögliche Hilfen und Unterstützungen informiert, wenn sie die Klinik verlassen.
  • Familien mit Migrationshintergrund und sprachlichen Barrieren werden gezielt unterstützt und informiert, z. B. durch die Hilfe von Dolmetscher*innen im Auftrag des Jugendamtes.
  • Präventive Unterstützung der Familien: Kindeswohlgefährdung wird vorgebeugt.
  • Erhöhung des Bekanntheitsgrades: Die Bekanntheit von bestehenden Beratungs- und Hilfsangeboten und die Intensivierung von Netzwerkarbeit der beteiligten Institutionen werden nachhaltig optimiert und ein schneller und unbürokratischer Zugang zu Hilfen wird realisiert.
  • Netzwerkausbau: Das bestehende Netzwerk „Frühe Hilfen“ in der Grafschaft Bentheim wurde weiter ausgebaut.

Laufzeit und Finanzierung

Laufzeit

Startdatum: 01.06.2020

Enddatum: 31.12.2021


Verstetigt seit: 2022

Finanzierungsvolumen

90.000 €

 

Träger und beteiligte Akteure

Träger

Landkreis Grafschaft Bentheim - Gesundheitsamt, Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim, Euregio-Klinik/Kinderklinik/Frauenklinik

Weitere beteiligte Akteure

  • Euregio-Klinik
  • Hebammen
  • Jugendamt
  • Netzwerk „Frühe Hilfen“
  • Ärzteverein Grafschaft Bentheim
  • Grafschafter Ärztenetz
  • Erziehungsberatungsstelle
  • Kinderschutzbund
  • Lebenshilfe
  • Caritas
  • Diakonisches Werk
  • Familienbildungsstätte Nordhorn
  • Universität und Hochschule Osnabrück
  • Saxion Enschede
  • Mehrgenerationenhaus Nordhorn
  • Mehrgenerationenhaus Senfkorn Emlichheim

Ansprechpersonen

Dr. Annegret Hölscher

Landkreis Grafschaft Bentheim


Am Bölt 27

48527 Nordhorn

Tel.: 05921 961867


E-Mail:

annegret.hoelscher@grafschaft.de

Die Angaben zu den Projekten entstammen Mitteilungen aus den beteiligten Gesundheitsregionen.


Datum der letzten Bearbeitung: 20.03.2023


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