Pilotprojekt zur Delegation ärztlicher Leistungen an qualifizierte Pflegekräfte ambulanter Pflegedienste im Landkreis Gifhorn

Ein Projekt der Gesundheitsregion Gifhorn

Ziele und Dialoggruppe

Ziele des Projekts

  • Aufzeigen von Potenzialen der Entlastung der niedergelassenen Ärzt*innen im ländlichen Bereich durch die Delegation ausgewählter medizinischer Leistungen
  • Verbesserung der Versorgungsqualität für die Patient*innen und Umsetzung eines ganzheitlichen ambulanten Versorgungskonzeptes
  • Kosteneinsparpotenziale bei den Kostenträgern (Senkung der Transportkosten, Vermeidung Krankenhauseinweisungen)

Dialoggruppe

  • Patient*innen der Hausarztpraxis Dr. Saak und AOK-versichert, bei denen mindestens eine schwerwiegende chronische Erkrankung (§ 2 Abs. 2 zur Umsetzung in § 62 SGB V) vorliegt und die in der Regel das 65. Lebensjahr vollendet haben
  • Patient*innen der Hausarztpraxis Dr. Saak und AOK-versichert, bei denen eine Erkrankung vorliegt, die einer dauerhaften intensiven ärztlichen Betreuung bedarf und die in der Regel das 65. Lebensjahr vollendet haben
  • Patient*innen der Hausarztpraxis Dr. Saak und AOK-versichert, bei denen eine akute schwerwiegende Erkrankung vorliegt, die einer intensiven ärztlichen Betreuung bedarf und die die Praxis nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen aufsuchen können

Maßnahmen und Auswirkungen

Ausgangslage

Prognose: Überdurchschnittliche Zuwächse älterer und pflegebedürftiger Menschen im Landkreis Gifhorn

  • Zunahme chronischer Erkrankungen und demenzieller Veränderungen
  • Zunehmend eingeschränkte Mobilität

Schon heute freie Vertragsarztsitze, Prognose: steigend

  • Sinkende Bereitschaft junger Mediziner*innen, im ländlichen Bereich tätig zu sein
  • Das Durchschnittsalter der aktuell tätigen Hausärzt*innen steigt, der Anteil der über 60-jährigen Hausärzt*innen liegt bei 33,9 % (2017)

Durchschnittliche stationäre Verweildauer sinkt

  • Patient*innen werden früh entlassen und benötigen in der Rekonvaleszenzphase zusätzliche Unterstützung/Hilfestellung, sowohl in der hausärztlichen Versorgung als auch in den SGB V- und in den SGB XI-Leistungen
  • Der Bedarf der hausärztlichen Versorgung/Behandlung steigt

Vorgehen im Projekt

  • Klärung aller steuerlichen, juristischen und standesrechtlichen Fragen einvernehmlich unter den Projektbeteiligten
  • Abschluss der erforderlichen Kooperationsvereinbarung zwischen der Hausarztpraxis und dem Pflegedienst sowie eines Selektivvertrages gemäß § 140a SGB V zwischen den Leistungserbringern und den Kostenträgern
  • Auswahl Telemedizin-Equipment (Tele-Rucksack)
  • Schulungen für die einzusetzenden Pflegefachkräfte: Das Curriculum für die Schulungen orientiert sich dabei an der Qualifikation der nichtärztlichen Praxisassistentinnen (NäPras) und wird in Kooperation erarbeitet. Die Schulungen werden von der Hausarztpraxis durchgeführt. Der individuelle Schulungsumfang richtet sich dabei nach der Dauer der Berufstätigkeit der jeweiligen Pflegefachkraft.
  • Auftragserteilung durch die Hausarztpraxis die entsprechenden Leistungen (z. B. bestimmte Testverfahren zur Ermittlung individueller Fähigkeiten, Ressourcen und Defizite, Testverfahren bei Demenzverdacht, Langzeit-Blutdruckmessungen, EKGs, Bestimmung von Laborparametern und Ermittlung von Laborwerten, Spirographien oder standardisierte Dokumentationen der Patientenbeobachtung) durch den ambulanten Pflegedienst zu erbringen und die Ergebnisse mit Hilfe des Tele-Rucksacks an den*die Hausärzt*in zu übermitteln
  • Verabreden eines Kommunikations-Schemas zwischen der Hausarztpraxis und dem Pflegedienst, dass die schnelle Vermittlung aller relevanten Patienteninformationen – unter Beachtung der geltenden Datenschutzbestimmungen – gewährleistet
  • Angehörigen- und Patienten-Schulung
  • Aushändigung von Informationen und Teilnahme-Formulare durch die Hausarztpraxis
  • Telefonische Kontaktaufnahme/Terminierung mit den ausgewählten Patient*innen durch den Pflegedienst

Auswirkungen

Insgesamt:

  • Patient*innen, die gar nicht/sehr unregelmäßig in die Praxis kommen werden kontinuierlich begleitet
  • Schlechte Laborwerte fallen (eher) auf
  • Einstellung Medikamente und Blutzucker kann besser, weil regelmäßiger, angepasst werden
  • Die Entlastungsmöglichkeiten der Pflegeversicherung und andere Leistungsangebote können bekannt gemacht werden
  • Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten werden früher erfasst
  • Präventive Maßnahmen können angeschoben werden
  • Vorpflegerische Bedarfe können erhoben und gedeckt werden
  • Verbesserung der interdisziplinären Kommunikation (Pflegefachkraft-Arzt)
  • Fragen zu medizinischen Auffälligkeiten werden an die Pflegekraft adressiert

Arztpraxis:

  • Eigene, personelle Ressourcen können gespart und Infrastruktur der Pflegedienste genutzt werden
  • Patientenversorgung wird sichergestellt und verbessert
  • Arzt/Ärztin erhält mehr Informationen und kann sie bearbeiten, wann es in seine Praxisabläufe passt
  • Reduzierung von ungeplanten Störungen durch bessere Absprachen
  • Videokonferenzen zu zeitaufwendig, feste Zeitfenster schwer abzustimmen
  • Projekt zu klein, als dass die Praxisabläufe tatsächlich angepasst werden konnten

Pflegedienst:

  • Aufwertung des Berufsbildes
  • Körperlich leichte Arbeit
  • Verbesserung der Arbeitszeitmodelle
  • Abstimmung mit der Praxis nicht immer einfach- Rückmeldungen fehlten
  • Integration der Besuche in die Touren kaum möglich
  • Terminierung und Besuchsplanung aufwendig
  • Nachbereitung aufwendig
  • Datenschutzkonforme Abwicklung sehr bürokratisch

Laufzeit und Finanzierung

Laufzeit

Startdatum: 01.04.2019

Enddatum: 2022

Finanzierungsvolumen

78.809,42 €

 

Träger und beteiligte Akteure

Träger

Kooperierende Leistungserbringer: Praxis Dr. med. Saak und Bettina Harms GmbH

Weitere beteiligte Akteure

Weitere Akteure, die die Vorbereitung des Projektes begleiten:

  • bpa Niedersachsen
  • niedersächsisches Sozialministerium
  • AOK Niedersachsen
  • Gesundheitsregion des Landkreises Gifhorn.


Daneben wurde das Vorhaben mit dem Hausärzteverband abgestimmt.

Ansprechpersonen

Bettina Tews-Harms

Bettina Tews-Harms GmbH


Molkereistraße 14

29386 Hankensbüttel

Tel.: 05832 979197


E-Mail:

bettina-harms@harms-pflege.de

Anna Grohmann

Landkreis Gifhorn


Allerstraße 21

38518 Gifhorn

Tel.:05371 82711


E-Mail:

anna.grohmann@gifhorn.de

Weiterführende Links

Die Angaben zu den Projekten entstammen Mitteilungen aus den beteiligten Gesundheitsregionen


Datum der letzten Bearbeitung: 08.02.2023


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