Ein Projekt der Gesundheitsregion Braunschweig
Ziele des Projekts
Dialoggruppe
Ausgangslage
Jede Frau hat mit Beginn der Schwangerschaft einen gesetzlichen Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme. Leider kam es den letzten Jahren immer mehr zum Fachkräftemangel und es gibt auch in Braunschweig immer weniger Hebammen. Frauen und Familien können oft nicht oder sehr schwer eine Hebamme mit freien Kapazitäten finden. Gerade auch Frauen mit Migrationshintergrund haben oft keine Hebammenbetreuung, weil sie sich mit den Regelungen in Deutschland noch nicht gut auskennen. Durch den Hebammenmangel und die leicht steigende Geburtenrate sind oft auch Gynäkolog*innen und Kinderärzt*innen überarbeitet, da diese dann Aufgaben von Hebammen übernehmen müssen. Einige Studien und Statistiken können den Hebammenmangel nachweisen (siehe z. B. www.kartenmacherei.de/studie-hebammen/pdf/Whitepaper-Mangel-an-Hebammen-in-Deutschland.pdf). Durch die schlechtere Betreuung von Mutter und Kind wird das Gesundheitssystem immer weiter belastet.
Vorgehen im Projekt
Nach der Zusage der Stadt Braunschweig über die Zuwendungen für die Hebammenzentrale beginnt der Aufbau dieser. Der Rahmenkooperationsvertrag des (ersten) Trägers pro familia Niedersachsen e. V. mit dem Hebammenverband Niedersachsen e. V. wird unterzeichnet. Die bereits bestehenden Kontakte mit dem Kreisverband des Hebammenverbandes in Braunschweig wird intensiviert, um gemeinsam die Hebammenzentrale bedarfsgerecht für Braunschweig umzusetzen. Es kommt zur Erstellung und Ausarbeitung einer Website mit Hilfe der Medienagentur DRIVE. Hierbei gibt es intensiven Austausch mit der Hebammenzentrale der Region Hannover, deren Zentrale bereits verstetigt wurde. Auf der Homepage können sich freiberufliche Hebammen registrieren, ihre Angebote hinterlegen und Kapazitäten festlegen. Familien können so gezielt nach Hebammenleistungen suchen und freie Hebammen und Kursplätze finden. Es wird zusätzlich eine Hebamme eingestellt, die die Zentrale leitet. Diese ist Ansprechpartnerin für die Familien, die Fragen zu Hebammenangeboten haben oder trotz der Datenbank keine Hebamme finden können. Sie nimmt Kontakt zu den Hebammen auf, führt Wartelisten und vermittelt diese Frauen weiter. Außerdem ist die Hebamme auch Ansprechpartnerin für Kolleginnen, die neu oder wieder in die Freiberuflichkeit einsteigen wollen und Fragen dazu haben. So können Fachkräfte unterstützt und gesichert werden. Weiterhin gibt es eine Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Migrationsbüro, dem Gesundheitsamt, den Frühen Hilfen und Beratungsstellen in Braunschweig. Gynäkolog*innen und Kinderärzt*innen werden über das Angebot der Hebammenzentrale informiert und vermitteln Frauen, die keine Hebammenbetreuung finden können, an die Zentrale weiter. So ergibt sich ein enges Netzwerk, um die Betreuung aller Familien sicherzustellen. Pro familia hatte darum gebeten, die Trägerschaft zum 28.02.2022 abzugeben. Die Trägerschaft wird von der Stadt Braunschweig ab dem 01.03. 2022 auf das Haus der Familie übertragen.
Auswirkungen
(Evaluationsergebnisse noch nicht vollständig aussagekräftig, durch Trägerwechsel auch nicht komplett nachvollziehbar)
Über den Austausch mit Hebammenkolleginnen wird die Annahme der Hebammenzentrale deutlich. Viele Frauen melden sich bei den Hebammen, weil sie dort noch freie Kapazitäten festgestellt haben. Anrufe bei den Hebammen, die keine freien Betreuungsmöglichkeiten mehr haben, werden weniger. Hebammen werden dadurch entlastet. Gibt es doch noch freie Kapazitäten für Kurse oder Betreuungen, tragen die Hebammen diese selbstständig auf der Website ein oder melden sich bei der Hebammenzentrale. Wartelistenplätze können momentan fast vollständig an Kolleginnen vermittelt werden. Schwierig ist momentan noch die Versorgung von Frauen in sozialschwachen Regionen, da diese sich oft nicht rechtzeitig oder gar nicht um eine Hebammenversorgung bemühen. Hier ist die Zusammenarbeit mit den Frühen Hilfen sehr wichtig. Durch die Netzwerkarbeit mit den Migrationsstellen in Braunschweig können auch Familien mit Migrationshintergrund und Frauen auf der Flucht eine Hebammenbetreuung erhalten. Die Suche in der Datenbank ist durch Sprachbarrieren hier oft erschwert, sodass der telefonische Kontakt häufig über Ehrenamtliche oder Mitarbeit im Migrationsbüro erfolgt. Weiterhin gehen Hebammen deutlich eher in eine Familie, die kein Deutsch beherrscht, wenn schon vorher sicher ist, dass Dolmetscher*innen oder Ehrenamtliche involviert sind. Daher ist die Vernetzung hier sehr wichtig.
Laufzeit
Startdatum: 01.10.2020
Enddatum: 31.12.2023
Finanzierungsvolumen
150.000 €
Träger
Haus der Familie GmbH seit 01.03.2022
Weitere beteiligte Akteure
Pro familia bis 28.2.2022
Kerstin Hartmann-Moos
Volkshochschule Braunschweig
Alte Waage 15
38100 Braunschweig
Tel.: 0531 2412500
E-Mail:
Henriette Wolff
Volkshochschule Braunschweig
Kaiserstraße 48
38100 Braunschweig
Tel.: 0151 52533034
E-Mail:
Weitere Inhalte
Presseartikel: „Schwere Geburt: Hebammenzentrale in Braunschweig eröffnet“ (Radio Okerwelle)
Presseartikel: „Schwanger in Braunschweig“ (Stadt Braunschweig)
Presseartikel: „Hebammenzentrale in Braunschweig eröffnet“ (Braunschweiger Zeitung)
Presseartikel: „Leichter eine Hebamme finden“ (Neue Braunschweiger)
Die Angaben zu den Projekten entstammen Mitteilungen aus den beteiligten Gesundheitsregionen.
Datum der letzten Bearbeitung: 27.02.2023