Ein Projekt der Gesundheitsregion Emsland
Ziele des Projekts
Dialoggruppe
Ausgangslage
Im Landkreis Emsland, eine ländliche Region, stellt sich die psychiatrische Versorgung angespannt dar. Die ambulant tätigen Fachärzt*innen für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie konzentrieren sich an den drei größeren Städten (Lingen, Meppen, Papenburg). Die Entfernungen sind für viele Patient*innen groß.
In den Randgebieten haben die Patient*innen einen Anfahrtsweg von über 20 Minuten zum/zur nächstgelegenen Fachärzt*in. Ein Krankenhaus mit Fachabteilung Psychiatrie und Psychotherapie sowie eine PIA gibt es nur am Standort Haselünne. Die Anfahrtswege sind hier deutlich länger (ca. 50 Minuten).
Zudem sind die Wartezeiten bei Fachärzt*innen, in der PIA und auch bei Psychologischen Psychotherapeut*innen sehr lang (teilweise sechs Monate und länger).
Vorgehen im Projekt
Innerhalb des Projekts werden depressiv erkrankte Personen, die nach einer stationären Behandlung im St. Vinzenz-Hospital entlassen werden durch die Psychiatrische Institutsambulanz nahtlos weiterversorgt. Sie werden bei Entlassung mit einem Gesundheitstablet ausgestattet. Das Gesundheitstablet beinhaltet Module zur Erfassung der Befindlichkeit hinsichtlich depressiver Symptome (Fragebögen zu BDI, SCL9 - Symptomcheckliste) sowie der körperlichen Betätigung des*der Patient*in (Aktimeter). Vor Entlassung aus der stationären Behandlung werden die Module mit dem*der Patient*in besprochen, damit er*sie die Daten täglich erfassen kann. Diese Daten werden dann an das interdisziplinäre Behandlungsteam der PIA übertragen. Dieses Team besteht aus Ärzt*in, Psycholog*in, Physician Assistant, Sozialarbeiter*in und einer Pflegekraft. Innerhalb des Teams werden die Daten des*der Patient*in gesichtet, beurteilt und entsprechend rückgekoppelt. Bei Überschreiten von vorher festgelegten Grenzwerten wird die PIA automatisch informiert und kann Kontakt zum/zur Patient*in aufnehmen, eine Eskalation kann abgewendet werden. Zur Prozessentwicklung und Entwicklung der Behandlungspfade mithilfe der Technik wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die einen kontinuierlichen multiprofessionellen Austausch gewährleistet. So können die Versorgungswege optimiert, angepasst und dokumentiert werden.
Auswirkungen
Der Projektansatz verspricht grundsätzlich eine größere Betreuungsdichte. Als sehr hilfreich erlebten beide Seiten (Patient*in und Therapeut*in) die Fragebogen. Diese wurden täglich ausgewertet und so entstand jeweils ein aktuelles Bild, das Patient*innen und Therapeut*innen gleichermaßen zugänglich war. Eine solche Informationsdichte ist unter den Normalbedingungen nicht zu gewährleisten.
Sehr positiv wirkte sich zunächst aus, dass die Patient*innen zu mehr Mitwirkung und Bewegung angeregt wurden. Die Eignung des Ansatzes zum Erkennen potenziell suizidaler Ereignisse konnte innerhalb des Projektes abschließend nicht beurteilt werden, weil die überlagernde Unzuverlässigkeit der Technik breite Erfahrungen mit dem System verhinderte.
Gleichwohl zeigte sich in der Startphase bei der Teilnehmergruppe eine geringere Anzahl von Rezidiven. Wegen der geringen Fallzahl, der fehlenden Vergleichsgruppe (Blindstudie) und letztlich der Überlagerung des Projektansatzes mit technischen Herausforderungen sind valide Aussagen allerdings nicht möglich.
Die noch weitgehend unentdeckten Potenziale von Selfcareansätzen durch technisches Coaching wurden trotzdem sichtbar, dass vergleichbare Projekte durchaus befürwortet werden. Der Ansatz könnte außerdem erfolgversprechend sein bei Erkrankungen, die unmittelbar durch Bewegung und/oder Verhaltensänderung durch den*die Patient*in beeinflussbar sind.
Laufzeit
Startdatum: 01.07.2018
Enddatum: 31.12.2019
Finanzierungsvolumen
42.000 €
Träger
Weitere beteiligte Akteure
Living-Lab Wohnen und Pflege in der Science to Business GmbH - Hochschule Osnabrück
Timo Deiters
Landkreis Emsland
Ordeniederung 1
49716 Meppen
Tel.: 05931 441262
E-Mail:
Die Angaben zu den Projekten entstammen Mitteilungen aus den beiteiligten Gesundheitsregionen
Datum der letzten Bearbeitung: 10.01.2023